Angedacht. Zum Nachdenken.

Batman, Luther und der moderne Mensch.
Eine Andacht zur Rechtfertigungslehre

Meine Frau hat neulich ein aromatisiertes Duschshampoo geschenkt bekommen mit der Aufschrift: „Sei frech, wild und wunderbar!“ Während ich das lese, denke ich: Immer diese Aufforderungen. Und wie schön, dass mich mein Duschgel in Ruhe lässt! Ich will nicht schon am frühen Morgen zu irgendetwas aufgefordert werden, auch wenn manche Appelle durchaus ihren Wert und ihren Reiz haben.

Der moderne Mensch steht unter einem dauernden Rechtfertigungsdruck. Er muss dauernd etwas leisten, sich behaupten und beweisen, dass er attraktiv und verwendbar ist und es wert, angesehen, eingestellt oder gut bezahlt zu werden. Und deshalb fragen wir uns oft: Bin ich schön? Bin ich gut genug? Bin ich brauchbar? 
Der Gedanke, schon einen Wert in sich zu haben, hat Martin Luther vor 500 Jahren neu entdeckt und gehört zum Kern seiner Rechtfertigungslehre. Dass ich darauf vertrauen darf, bei Gott, als die Person die ich bin, letztgültig anerkannt zu sein. Dass ich einen mir von Gott gegebenen Wert habe, noch lange bevor ich etwas beweisen oder erarbeiten muss. Er hat mir, wie allen Lebewesen, eine unverlierbare Würde verliehen. Das muss ich mir manchmal sagen lassen. Es kann mich von dem Druck befreien, dauernd um Anerkennung zu kämpfen. (Christoph Schwöbel, Evang. Gemeindeblatt 29 /2017, S. 5)   

 

Neulich habe ich dann doch eine Aufforderung gelesen, die mir gefallen hat:
„Sei immer du selbst! Außer, du kannst Batman sein. Dann sei Batman.“
Manchmal gelingt es uns, über uns selbst hinaus zu wachsen und die richtige Person zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein. Solche Momente gehören zu den Sternstunden unseres Lebens. Ansonsten bin ich froh, dass ich, mit allen anderen, in Gottes Augen einen Wert habe  - unabhängig davon, wieviel ich leisten kann.   

 

Pfr. Michael Williamson