Angedacht. Zum Nachdenken.

Nicht mit Gold aufzuwiegen.

Vom Wert der Freundschaft.

Eine Besinnung von Barbara Unglaub

 

Wie schon seit vielen Jahren haben wir uns mit Freunden getroffen, die wir schon annähernd 40 Jahre kennen, aber nur einmal im Jahr sehen. 

Wirklich eindrücklich ist bei jedem Treffen für mich, dass wir alle keine "Anlaufzeit" brauchen, um miteinander warm zu werden. Immer ist da sofort eine Herzlichkeit, eine Wärme, ein Interesse am Leben und Erlebten der anderen und viele Gemeinsamkeiten. " Wie geht es euch?" " Was machen eure Kinder?" "Was tun eure Eltern?" "Wie sieht euer Alltag aus?" "Wie geht es im Beruf, wo wart ihr im Urlaub, ....?" Es ist immer total spannend zu hören, was alles geschehen ist - in der Zwischenzeit, in der wir uns nicht gesehen und vielleicht auch nur zum Geburtstag gehört haben. 

Freundschaften begleiten uns durch das ganze Leben. Früh schon lernen wir: 

"Mit Freunden lässt es sich besser leben!" Wir teilen Freud und Leid in der Schulzeit, vertrauen uns große und kleine Geheimnisse an, "verbrüdern" uns gegen andere - gemeinsam sind wir stark! 

Wir lernen Vertrauen und Zuneigung zu entwickeln zu ehedem völlig fremden Menschen.

Anders als die Familie suchen wir uns Freunde aus - nach Gemeinsamkeit, Sympathie, Vertrauen und Zuneigung. 

Freunde sind Tankstellen im Leben, an denen wir unsere Seele und unser Herz auftanken können. Sie spenden Trost, Hilfe und Anteilnahme, sie geben Rat und Halt, sind eine Quelle der Freude, von Glück und Hoffnung. 

Freundschaften halten nicht immer ein ganzes Leben, auch diese Erfahrung habe ich in meinem Leben gemacht. Schleichend und fast unbemerkt entschwindet die Freundschaft, die Beziehung, sie geht sozusagen auf leisen Sohlen verloren. Warum ist das so?

Veränderungen im Leben, Trennung, Umzug, Tod, und eine damit verbundene Veränderung der Persönlichkeit, der Prioritäten, der Lebenskreis wird ein anderer, so schmerzlich das auch sein kann, Veränderungen gehören zum Leben. Trotzdem hatte auch eine Freundschaft, die vorüber ist, prägende Momente, glückliche Stunden, Einfluss auf meine Entwicklung und mein Dasein.

Wir brauchen im Leben sichere Verbindungen zu anderen Menschen, Treue und Verlässlichkeit und einen Schutz, um uns im Wirbel der Zeiten nicht allein herumzudrehen. Wir brauchen einen Anker und einen sicheren Hafen, der unerschütterlich, zumindest für eine Zeit, für uns da ist - und noch fast wichtiger:

Es ist erfüllend und unbezahlbar, im Leben eines anderen genau dieser Freund zu sein. Schon Cicero wusste: Ohne Freundschaft ist das Leben nichts! 

 

Vom Umgang mit Freunden

Wer freundlich redet, der macht sich viele Freunde; und wer wohlwollend spricht, der verbreitet Güte.

Lebe in Frieden mit vielen, aber zum Ratgeber nimm unter tausend nur einen.

Willst du einen Freund finden, so erprobe zuerst seine Treue und vertrau ihm nicht allzu rasch.

Denn mancher ist ein Freund, solange es ihm gefällt; doch in der Not hält er nicht stand.

Und mancher Freund wird bald zum Feind und macht den Streit bekannt, der dich beschämt.

Und mancher Freund sitzt mit dir am Tisch, doch in der Not hält er nicht stand.

Solange dir's gut geht, tut er wie du und gebietet deinen Dienern;

geht dir's aber schlecht, so stellt er sich gegen dich und verbirgt sich vor dir.

Halte dich fern von deinen Feinden, aber sei auch vor den Freunden auf der Hut.

Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer den findet, der findet einen großen Schatz.  Ein treuer Freund ist nicht mit Gold aufzuwiegen, und sein Wert ist nicht hoch genug zu schätzen.

Ein treuer Freund ist ein Trost im Leben; ihn findet, wer den Herrn fürchtet.

Denn wer den Herrn fürchtet, der wird auch gute Freundschaft halten; und wie er ist, so wird auch sein Nächster sein.
Jesus Sirach 6, Verse 5 bis 17