Angedacht. Zum Nachdenken.

 

 

Zur Jahreslosung 2018

 

Trinken ist immer wieder ein Thema.
- Wehe man hat unterwegs die Trinkflasche fürs Baby vergessen!
- In der Grundschule können Erstklässler dauernd trinken.
- Auf Wanderungen ist eine Trinkflasche wichtig.
- Im Winter gibt es die Thermoskanne fürs Büro
- Im Stadion kostet ein Bier 3.50 € !

Trinken ist immer wieder ein Thema.
Hunger bekommen wir nicht so schnell
und lässt sich leichter und länger aushalten,
aber Durst ist etwas anderes.
Ärzte mahnen, wir sollten zwei Liter täglich trinken.

Durst - etwas alltägliches und lebenswichtiges.

Und darum geht es in der Jahreslosung für 2018.
Für jedes Jahr wird ein Bibelvers ausgelost.
Letztes Jahr ein Zuspruch aus Hesekiel (36, 26):
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Dieses Jahr ein Vers aus der Offenbarung (21,6):
Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben
von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Ein Vers aus einer der vielen Visionen des Johannes,
m.E. aus der schönsten, einflussreichsten.
Dort beschreibt er etwas Wunderbares:  
Die garstige Kluft zwischen Gott und den Menschen
wird aufgehoben.
Er wird ihnen so nahe sein wie ein Nachbar,
wird bei ihnen wohnen, ihre Tränen abwischen
und ein Ende von Trauer, Not und Elend herbeiführen.
So, wie die Bibel im Paradies beginnt, so endet sie dort.
Und dann heißt es:  
Ich will dem Durstigen geben
von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Eine Absicht.
Gott hat etwas vor, will etwas tun - etwas geben.
Nicht etwas nehmen, einfordern, erwarten oder verlangen.
Im Gegenteil:
Wir hören hier von einem Gott, der etwas geben will.
Dabei ist uns ja schon eine Menge gegeben worden:
- die Luft, die wir atmen
- die Umwelt, die uns umgibt
- die Verhältnisse, in denen wir leben.
Wir leben in einer Region mit einem noch gemäßigten Klima,
in der vieles wachsen und gedeihen kann.
Und wir leben in Verhältnissen um die uns Millionen beneiden.
Diese Lebensbedingungen prägen uns,
wir haben mit ihnen etwas anfangen können
und etwas aus ihnen gemacht.
Die Älteren unter uns
blicken auf ein langes Leben und auf Erfolge zurück
und sind für vieles dankbar.
Gott hat viel gegeben - und wird es auch in Zukunft.

Dann ist hier auch von den Adressaten, den Empfängern die Rede,
von einer bestimmten Zielgruppe: den Durstigen will er geben.
Gott hat also einen Blick für die Bedürftigen,
die oft übersehen oder links liegen gelassen werden.
Hier geht es um die Durstigen.

Es geht aber nicht um den Durst,
den wir mit Wasser, Tee oder andere Getränken löschen und stillen können,
sondern um den Durst nach etwas anderem:
nach einem erfüllten Leben, nach einem Sinn,  
um die Fähigkeit gelassen und zufrieden zu sein, Vertrauen zu können,
auch um die Hoffnung,
dass wir auf die großen Fragen des Lebens eine Antwort bekommen, dass aus den Bruchstücken etwas Ganzes wird,
dass wir uns nicht umsonst einsetzen und hingeben, für was auch immer.

Menschen mit einem solchen Durst hat Gott im Blick,
ihnen wendet er sich zu, kommt ihnen entgegen,
will ihnen etwas geben:
Von der Quelle des lebendigen Wassers.
Etwas frisches, etwas erfrischendes,
etwas, das Energien freisetzt,
die Lebensgeister weckt und die Kräfte erneuert.
Nichts Abgestandenes aus einem Krug oder einer Zisterne,
sondern frisches, fließendes, lebendiges Quellwasser –
ein Sinnbild für alles, was Leben erneuert und erhält.
Und das auch noch umsonst, also gratis.
Ein lateinisches Wort. Es bedeutet: aus Gnaden, einfach so.
Jahrtausende lang, in fast allen Kulturen,
waren Menschen der Überzeugung,
den Göttern etwas opfern und geben zu müssen - 
Erntegaben, Tiere, ja sogar ihre Erstgeborenen -
um sie milde und gnädig zu stimmen,
um Unheil und Strafen abzuwenden und zu entgehen.
Leistung und Gegenleistung.
Geb´ ich dir, gibst du mir…

 

Aber ist Gott käuflich? Hat er seinen Preis?
Braucht er unsere Opfer? Gibt er sich als Belohnung für etwas?
Womit könnten wir seinen Schutz und seinen Segen verdienen?
Was könnten wir denn da tun oder vorzeigen?
Er gibt umsonst, ohne irgendeine Vorleistung.

Das Einzige, was er von uns will,
ist eine Antwort auf seine Großzügigkeit:
- dass wir nach ihm fragen und suchen,
- auf ihn hören,
- dass wir ihm vertrauen und mit ihm rechnen
- und dass wir nach dem leben, was wir von ihm verstanden haben.
Also eine besondere Art der Dankbarkeit - dem, der unseren Durst stillt.

Dursthaben und Trinken.
Mit der Frage, wo unsere Quellen sind
und was unseren Durst löscht. Das ist und bleibt ein Thema.
Die Jahreslosung ist dabei eine Zusage:
Ich will dem Durstigen geben
von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

 

Pfarrer Michael Williamson